Innenstädte und öffentliche Räume vor der Herausforderung des Wandels

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Innenstädte und öffentliche Räume vor der Herausforderung des Wandels

Der wachsende Anteil des E-Commerce wird auch die Städte verändern.

Seit Jahrzehnten ist die Nutzung des öffentlichen Raums von der Präsenz und Zugänglichkeit kommerzieller Aktivitäten abhängig. Aber Click-Shopping verändert die Verbrauchergewohnheiten. Das Ergebnis ist eine Reduzierung der Gewerbeflächen in den Innenstädten und die Suche nach neuen Nutzungen.

Es ist ein fast universelles Phänomen, präsentiert sich in den Schweizer Städten jedoch anders. Diese Beobachtung wurde in einer Publikation des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI), Die Zukunft des öffentlichen Raums, im Auftrag des Zentrums Öffentlicher Raum, einer Arbeitsgruppe des Schweizerischen Städteverbandes, entwickelt. Obwohl die Reflexion prospektiv und theoretisch bleibt, ist es sinnvoll, städtebauliche Entscheidungen zu treffen. Erläuterungen:

Das Verbraucherverhalten hat sich dramatisch verändert. Vor ein paar Jahren suchte man in seiner vertrauten Buchhandlung nach Klassikern oder in einem von seinem Besitzer geführten Baumarkt nach einer Pfanne. Heute werden immer mehr Bestellungen über das Internet getätigt. Besonders deutlich wird diese Entwicklung beim Non-Food-Konsum, der laut GDI in unserem Land im Jahr 2016 mehr als 15% des Umsatzes ausmacht. Online-Shopping wird schneller und bequemer als das Bummeln durch wetterexponierte Einkaufsstrassen mit bestimmten Öffnungszeiten.

Eine weitere Mutation begleitet diese Entwicklung. Laut einer in der GDI-Studie zitierten Umfrage halten es 60% der Experten für eher wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich, dass "die Innenstadt der Zukunft nur ein Ausstellungs- und Erlebnisraum - aber kein Gewerbegebiet" sein wird. Mit anderen Worten, der Handel per se ist nicht zum Verschwinden verurteilt, sondern er wird sich in die Tiefe entwickeln und von der Logistik und der Lagerhaltung entkoppeln. Amazon wird zweifellos auf alltägliche und gewöhnliche Einkäufe reagieren.

Aber der Käufer bleibt von einzigartigen Kauferlebnissen angezogen. Spezialisten sprechen von Serendipity, d.h. vom zufälligen Entdecken bestimmter Objekte, vom Bummeln, vom Leben im gegenwärtigen Augenblick ohne Ziel und vom Erkunden, zum Beispiel in einer Buchhandlung oder bei einem Antiquitätenhändler. Mit dieser Entwicklung, von einer passiven Konsumgesellschaft zu einer Gesellschaft gelebter Erfahrungen, die oft interaktiv ist, nimmt das Essen einen wichtigen Platz ein. Die Restaurants in den Innenstädten vervielfältigen und diversifizieren sich.

Infolgedessen wurde die dem Handel gewidmete Fläche verkleinert und anderen Tätigkeiten zugewiesen. Das Phänomen ist in den meisten europäischen Städten zu beobachten. Aber es weist Schweizer Besonderheiten auf.

Schweizer Städte sind Dörfer im Vergleich zu europäischen Metropolen. Die Bevölkerung wächst viel langsamer. Sie hat eine andere Beziehung zu Wachstum und Dichte.
Die Innenstädte bleiben für viele Einwohner, die hohe Mieten zahlen können, aber auch für Touristen attraktiv. Sie sind kommerziell interessant für Immobilieninvestoren. Dadurch bleiben die Mieten und Verkaufspreise für Geschäftsräume hoch.

Diese hohen Kosten für den Zugang zur Innenstadt sind der Innovation nicht förderlich. Die Autoren der GDI-Studie stellen eine Flucht von kreativen Kräften (Jugendliche und Familien) an die Ränder zentraler Städte und Ballungsräume fest, in denen die kreativen Pole von morgen entstehen. Sie können dort eine Unterkunft zu interessanten Preisen finden. Hier steht Raum für innovative kommerzielle, sportliche und kulturelle Bauten und Einrichtungen zur Verfügung. Auch die Erreichbarkeit ist dort besser als in den Innenstädten.
Aber es gibt ein Hindernis für diesen Wandel, das auf die Zwänge der Planungspolitik zurückzuführen ist. Die Wiederverwendung von leeren Flächen ist problematisch, da die Stadtplanung für jede Fläche eine langfristige Nutzung vorschreibt. So wird es schwierig, die freigesetzten Flächen in neue Versuchsflächen umzuwandeln, die in der Lage sind, Entdeckungsaktivitäten, Lebensmittel, gemischtes Wohnen und Handwerk zu beherbergen. Es gibt Ängste vor Konflikten zwischen potentiellen Nutzern, welche die Entwicklung urbaner Utopien verhindern könnten.

Werden Agglomerationen "urbaner", erhält die Stadt auch einen immer ländlicheren Charakter. Der Stadtbewohner fürchtet die "modernen, anonymen, kalten, offenen" Seiten der Stadt. Er will die Stadt und das Land an einem Ort haben. Und die Autoren zitieren rustikale Restaurants mit Kunstblumen und Kellnern in Tracht, die Schaffung von 15 neuen, auf 20 km/h begrenzten Treffpunkten im Jahr 2018, die Dekoration des neuen Google-Geländes in Zürich mit Alpenmotiven und Seilbahnkabinen. Öffentliche Plätze mit Bäumen, Gemeinschaftsgärten und Spielplätzen werden hinzugefügt. Es geht darum, den Geist des Dorfplatzes wiederherzustellen.

Zwar ist die Studie der GDI prospektiv und basiert auf verifizierungsbedürftigen Annahmen. Sie zieht keine konkreten Schlussfolgerungen für die nahe Zukunft. Aber sie zeigt deutlich die wichtigsten Trends in der Konsumpraxis auf, die die Zukunft unserer Innenstädte beeinflussen werden.
Das haben die Behörden der Stadt Zürich verstanden. Sie initiierten eine Studie, Handel im Wandel, die verschiedene Szenarien für die Stadt skizziert - von der Wiedergeburt des kleinen Lebensmittelgeschäftes bis zur vollautomatischen Logistikstadt.

Quelle: Domaine Public online / 22. Juni 2018 / Michel Rey
Übersetzung : Gabriele Wittlin, UPCF

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  • 7 August 2018
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