Fehlen in der Schweiz Fachkräfte?

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Fehlen in der Schweiz Fachkräfte?

Das Gewinnen gefragter Fachkräfte ist die Königsdisziplin erfolgreicher Personalverantwortlicher. Unter dem Stichwort Fachkräftemangel steht dieser Aspekt des Personalwesens regelmässig im Licht der Öffentlichkeit. 

Das breite Interesse hat seine Gründe: Fehlen in einem Land Fachkräfte, begrenzt der Faktor Mensch das Wachstum der betroffenen Unternehmen, der Volkswirtschaft und der Steuereinnahmen.

Die Schweiz: geringe Betroffenheit

Die Manpower Group führt seit 2006 jährlich in 43 Ländern eine Unternehmensbefragung zum Fachkräftemangel durch. Im Jahr 2018 gaben 33 Prozent der befragten Personalverantwortlichen in der Schweiz an, Schwierigkeiten bei der Rekrutierung zu haben. Weltweit liegt dieser Anteil bei 45 Prozent. Der deutlich höhere internationale Wert zeigt: Hierzulande ist der Fachkräftemangel vergleichsweise gering ausgeprägt. Drei Gründe erklären dieses Ergebnis: Die Schweiz ist aufgrund der wirtschaftlichen Schwächephase nach dem Frankenschock in einem frühen Stadium des Aufschwungs. Wir sind deshalb noch nicht so stark wie andere Länder von einem allgemeinen Arbeitskräftemangel betroffen. Zweitens verfügt die Schweiz über ein gutes System der universitären und beruflichen Aus- und Weiterbildung. Inländische Arbeitskräfte sind in der Regel sehr gut qualifiziert. Drittens ist die Schweiz ein kleines, aber für Zuwanderer attraktives Land. Fehlende Fachkräfte können deshalb erfolgreich im Ausland gewonnen werden. Insbesondere eröffnen die geringen Migrationsbarrieren zu den benachbarten, gleichsprachigen Ländern mit knapp 220 Millionen Einwohnern Zugang zu einem riesigen Fachkräftereservoir. Mit den Daten der Manpower Group lässt sich der grosse Einfluss der Migration auf die Ausprägung des Fachkräftemangels verdeutlichen: Stieg der Ausländeranteil in einem entwickelten Land zwischen 2005 und 2017 um einen Prozentpunkt, nahm der Anteil der Unternehmen mit Rekrutierungsschwierigkeiten in diesem Land um durchschnittlich 4,2 Prozent ab.

Eine subjektive Einschätzung

Ob in einer Branche oder einem Beruf von fehlenden Fachkräften gesprochen werden kann, ist mit vielen subjektiven Elementen verbunden: Zwischen wie vielen Bewerbern können Personalverantwortliche auswählen? Wie gut passen die Kandidaten auf das gesuchte Profil? Aus diesem Grund ist die subjektive Arbeitsmarkteinschätzung durch Personalverantwortliche wie Mitarbeitende aufschlussreich. Das Markt- und Sozialforschungsinstitut gfs-zürich hat 2018 im Auftrag von swissstaffing, dem Verband der Schweizer Personaldienstleister, eine Befragung unter Unternehmen und Temporär arbeitenden durchführen lassen. Die Unternehmen wurden gefragt, ob ihnen die Rekrutierung neuer Fachkräfte Schwierigkeiten bereitet. Die Temporär arbeitenden wurden wiederum um ihre Einschätzung gebeten, ob ein durchschnittlicher Stellensuchender mit ihrer Berufsqualifikation einfach eine Stelle findet. Nach den Angaben der Arbeitnehmenden ist es im Gastgewerbe, in der Hotellerie und dem Bausektor leicht eine Stelle zu finden. Das legt nah, dass in diesen Branchen der Fachkräftemangel besonders stark ausgeprägt ist. Die Einschätzung der Arbeitgeberseite bestätigt dies. Überdurchschnittlich oft wird von den Personalverantwortlichen eine schwierige Rekrutierungssituation beklagt.

Objektiv betrachtet

Eine Aufschlüsselung nach Beruf liefert der Fachkräftemangel Index, den die Adecco Group Schweiz jährlich gemeinsam mit dem Stellenmarkt-Monitor der Universität Zürich herausgibt. Dieser Index setzt die offenen Stellen verschiedener Berufsprofile ins Verhältnis zur Zahl der gemeldeten Arbeitslosen. Unter den zehn gefragtesten Berufsprofilen befinden sich in der jüngsten Veröffentlichung Managementberufe wie Treuhänder und Geschäftsführende, technische Berufe wie Ingenieure und Informatiker sowie Juristen und Mediziner.
Erst durch die Betrachtung eines geeigneten Indikatorsystems entsteht ein zuverlässiges Bild, in welchen Branchen tatsächlich von einem Fachkräftemangel gesprochen werden kann und in welchen nicht. Unter den Berufen mit akademischen Hintergrund scheint der Fachkräftemangel im Bereich des Managements, der Medizin und den technischen Berufen besonders ausgeprägt zu sein. Bei Berufen, die eine Berufsausbildung voraussetzen, fehlen Fachkräfte im Bau, in der Industrie und im Gastgewerbe. Im internationalen Vergleich steht die Schweiz jedoch gut dar dank einem hervorragenden Bildungssystem und guten Rekrutierungsmöglichkeiten im Ausland.

Erfolgreiche Personalstrategien

Unabhängig von der aktuellen Arbeitsmarktsituation in Branche und Beruf ist es stets das Ziel eines Personalverantwortlichen, die besten Talente für das Unternehmen zu gewinnen und zu halten. Je knapper jedoch Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt sind, umso schneller und stärker wirken sich Versäumnisse auf die Zusammensetzung der Belegschaft und die damit verbundenen personellen Herausforderungen aus. Dank der Zusammenarbeit mit Personaldienstleistern erhält das Unternehmen einerseits Zugang zu den bestehenden Talentpools der Personaldienstleister und kann andererseits von deren Strategien bei der Personalgewinnung profitieren. Zahlreiche Fachkräfte nutzen die gute Arbeitsmarktlage bewusst, um als Temporär arbeitende und Freelancer flexibel zu arbeiten. Über Temporärarbeit kann ein Unternehmen Fachkräfte für Projekte beiziehen, zu denen es ohne diese flexible Arbeitsform keinen Zugang hätte.

Mit der Digitalisierung und Automation der Wirtschaft wird auch das Personalwesen komplizierter. Unternehmen, die als Pioniere vorangehen und die neuen Dienstleistungen in der Rekrutierung einsetzen, können ihren Wettbewerbern einen Schritt voraus sein. Aufgrund der Komplexität der digitalen Angebote ist es heute für einzelne Personaldienstleister und Softwareanbieter nahezu unmöglich, alle Dienstleistungen aus einer Hand anzubieten. Die nahe Zukunft im Personalwesen gehört daher dynamischen Firmennetzwerken, die gemeinsam die Innovation im Personalwesen voranbringen und für die Wirtschaft nutzbar machen. Das Wettrüsten im Kampf um Fachkräfte hat gerade erst begonnen.

Quelle: swissstaffing / 28.03.2019 / Marius Osterfeld

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  • 02 Mai 2019

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