Strenge Massnahmen, Kariyon zur Rettung

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Strenge Massnahmen, Kariyon zur Rettung

Die durch den Freiburger Staatsrat verfügten Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie haben erhebliche Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft. Wir haben Gewerbetreibende aus den Bereichen Gastronomie, Einzelhandel und Unterhaltung befragt. Trotz der finsteren Aussichten ist die Wiederaufnahme der Kariyon-Aktion am 24. November ein Silberstreif am Horizont.

Es schien unwahrscheinlich, unmöglich und dennoch, zur Bekämpfung der Coronapandemie hat die Freiburger Regierung die Schliessung von Gaststätten, Restaurants, Bars, Cafés, Diskos usw. angekündigt. Dieser Entscheid lastet schwer auf dem Gastgewerbe. Philippe Roschy, Präsident der Sektion Stadt von GastroFribourg und Wirt der Brauerei Le Boulevard 39 in Freiburg, zeigt sich besorgt: «Wir mussten innerhalb von 24 Stunden schliessen, was eine enorme Verschwendung von Esswaren bedeutet.» Um diese dennoch zu verkaufen, haben die Restaurantbesitzer trotz der niedrigen Margen Gerichte zum Mitnehmen zubereitet: «Für 15 bis 30 Menüs braucht es den Wirt, einen Koch, einen Auslieferer sowie Benzin- und Nebenkosten. Aber wir müssen die Nahrungsmittel vor Ablauf der Verfallsfrist verkauft haben.»

Seit der Ankündigung der Schliessung hat das Freiburger Gastgewerbe zur Begleichung der Fixkosten vom Kanton Hilfe in der Höhe von 9 Millionen Franken gefordert. Laut Philippe Roschy braucht die Branche Direkthilfen "à fonds perdu". An eine Wiedereröffnung am 30. November glaubt er nicht: «Auch wenn es möglich sein sollte, müssten wir die bisherigen Schutzmassnahmen weiterführen und die im Dezember üblichen Firmenessen, Geburtstagsfeiern und Apéros, die einen bedeutenden Teil unseres Umsatzes ausmachen, können wir vergessen». Was hält er vom Konjunkturprogramm in Höhe von 3 Millionen Franken für das Gastgewerbe? «Für die gesamte Branche reicht es nicht», antwortet Philippe Roschy, der sich vor allem Gedanken über die Verteilung der Gelder macht.

Die Optiker sehen das ein wenig anders. Tatsächlich profitierte der lokale Fachhandel von einer regionalen Solidaritätswelle: «Wir haben den ersten Teillockdown genutzt, um Investitionen zu tätigen, und als die Beschränkungen zwischen Juni und Oktober wieder aufgehoben wurden, haben wir einen regen Kundenfluss verzeichnet», erklärt Julien Favre, Geschäftsführer von Favre Optique in Freiburg. Er ist zuversichtlich, ergänzt aber, die Optiker seien weit weniger auf den Umsatz der Adventszeit angewiesen als andere Branchen.

Grosse Konsequenzen

Insgesamt kann der Detailhandel aufatmen, da er von den derzeit geltenden kantonalen Massnahmen ausgenommen ist. Dennoch fühlt er mit dem Gastgewerbe. «Meine Zuversicht wurde durch die im Kanton und den Nachbarländern verfügten Massnahmen getrübt», erklärt Christian Riesen, Präsident der FCFCID (Fédération Cantonale Fribourgeoise du Commerce Indépendant de Détail). Er rechnet mit dem Schlimmsten, nämlich, dass die Schliessungswelle auch den Einzelhandel erfasst. «Für einige Geschäfte, die in der ersten Welle finanziell arg gelitten haben, wären die Auswirkungen tödlich, denn die Schliessung fände genau in der entscheidenden Adventszeit statt.»

Sven Dietrich, Direktor von Fribowling und Mitglied des Freiburgischen Verbands des Handels, des Handwerks und Dienstleistungen (AFCAS), hegt in Bezug auf seine Branche dieselbe Befürchtung. Er fordert eine gesetzliche Regelung der Geschäftsmieten durch Bund und Kantone: «Während des ersten Teillockdowns hat die Politik Vermieter und Mieter allein gelassen. Es herrschte Anarchie. Dabei ist es ein entscheidender Aspekt der Hilfsmassnahmen.»

In diesen schwierigen Zeiten ist die finanziellen Unterstützung entscheidend, aber Ladeninhaber und Gastwirte wurden enttäuscht: «Die Politiker in Bern debattieren noch über die Auswirkungen der ersten Welle, dabei ist die zweite schon da», empört sich Christian Riesen. «Bereits schliessen erste Geschäfte und noch immer wissen wir nicht, welche Hilfe uns zuteilwerden soll». Die interviewten Unternehmer betonten alle die Bedeutung der Kurzarbeitsentschädigung (KAE) in Bezug auf das Personal. Die kürzlich erfolgte Ausdehnung der Erwerbsersatzberechtigung (EO) auf Arbeitgeber war eine Erleichterung. «So kann man die Rechnungen zu Hause bezahlen», kommentiert Sven Dietrich, der angibt, von Seiten der Volksvertreter auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene starke moralische Unterstützung erfahren zu haben. «Sie haben mich mehrmals angerufen, um die Probleme der Gewerbetreibenden zu verstehen und eine passende legislative und exekutive Lösung zu finden.»

Kariyon, ein Hoffnungsschimmer

Trotz der finsteren Aussichten zeichnet sich ein Silberstreif am Horizont ab: Kariyon, die im Frühjahr durch Local Impact Sàrl ins Leben gerufene Plattform zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft, wird fortgeführt. Ihr Erfolg veranlasst den Kanton Freiburg, die Aktion zu verlängern, indem er weitere 2 Millionen Franken zur Verfügung stellt. Ab dem 24. November kann die Freiburger Bevölkerung auf der Plattform Gutscheine für 1700 Geschäfte erwerben, die mit einem zehnprozentigen, staatlich finanzierten Rabat versehen sind.

Eine willkommene Hilfe, insbesondere in der Adventszeit. «Die unmittelbare Generierung von Umsatz hat den Händlern sehr geholfen, was sich ausserdem erheblich auf ihre Moral ausgewirkt hat», erklärt Sven Dietrich. Er ergänzt, es handle sich um ein ausgezeichnetes staatliches Instrument, da es direkt auf das kantonale Bruttoinlandsprodukt einwirke. Christian Riesen kann dem nur beipflichten: «Die Aufstockung der Plattform um zwei weitere Millionen ist eine gute Nachricht, denn Kariyon ist ein einfaches und effektives Mittel, der lokalen Wirtschaft unter die Arme zu greifen». Julien Favre teilt diese Einschätzung: «Den Kunden ist bewusst geworden, dass es wichtig ist, ortsansässigen Freiburger Geschäften gegenüber internationalen Ketten mit einer Freiburger Niederlassung einen Vorzug einzuräumen. Kariyon hat zur Verstärkung dieses Trends beigetragen». Philippe Roschy begrüsst dies und erinnert, GastroFribourg habe ebenfalls ein dem Gastgewerbe angepasstes Gutscheinkonzept entwickelt.

Trotz dieser Aktion und allfälliger weiterer Massnahmen zur Stützung der Freiburger Wirtschaft muss Christian Riesen eine Niederlage eingestehen: «Wir haben alles getan, was von uns verlangt wurde. Im Frühjahr haben wir die Geschäfte geschlossen und später viel Geld und Energie in die Entwicklung von Schutzplänen gesteckt. Wozu das alles? Für ein Ergebnis, das noch schlechter ausfällt als im März». Aber der Unternehmer will nicht alle Hoffnung fallen lassen. Er erinnert daran, dass das Leben weitergeht und man die Wirtschaft am Laufen halten wird, auch wenn sie gerade schwächelt.

Sven Dietrich hingegen plagen derzeit Zukunftssorgen. Er glaubt, es sei an der Zeit, einen dritten Teillockdown in Erwägung zu ziehen. «Die beiden ersten haben wir nicht kommen sehen, wir haben sie als ungerecht empfunden. Heute müssen wir uns auf das Katastrophenszenario vorbereiten, weil es möglich ist.» Abschliessend meint er, «Die Berufsverbände des Freiburger Arbeitgeberverbandes haben in diesem schwierigen Jahr eine unverzichtbare Rolle bei der Wahrung der Mitgliederinteressen gespielt. Man muss sie weiter stärken».

 

Marie Nicolet

 

Kariyon de Noël, los geht's

Zusätzlich zur Kariyon-Aktion wird Local Impact Sàrl am Samstag virtuellen, zu 100% lokalen une handwerklich geprägten Weihnachtsmarkt ins Leben rufen. Die Aktion Kariyon de Noël (Weihnachtsaktion) möchte regionale Aussteller unterstützen, die durch die Absage der Endjahresveranstaltungen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Die Plattform Kariyon de Noël ermöglicht es ihnen, eine Auswahl ihrer Waren zu präsentieren. Der Online-Verkauf beginnt am Samstag und läuft bis zum 14. Dezember. Die Website ermöglicht es Interessierten, herumzustöbern und handwerkliche Erzeugnisse zu entdecken und zu kaufen. 

Die Kunden können ab dem 18. Dezember ihre Einkäufe an sieben Bezugspunkten abholen, die über das gesamte Freiburger Stadtgebiet verteilt sind. Sollte es die Gesundheitslage bis dahin erlauben, erwägt Local Impact, diese als Adventsfenster zu nutzen. Ansonsten wird ein Drive-In-Konzept eingeführt. 

www.kariyon-de-noel.ch

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  • 10 November 2020
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Der Freiburger Arbeitgeberverband (UPCF) verwaltet zurzeit 60 Berufsverbände, 16 Sekretariate für überbetriebliche Kurse, verschiedene Lehraufsichtskommissionen und ist in 7 paritätischen Kommissionen vertreten. Ausserdem sind die Verbandssekretäre in der Lage, Fragen in Bezug auf das Arbeitsrecht, die Wirtschaft und soziale Aspekte zu beantworten.

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